Warum soll ich mich für Natur in Kanada und/oder Peru engagieren?

In der Wildnis liegt der Erhalt der Welt. Damit meinen wir, dass wir durch den Erhalt der Wildnis unsere eigene Lebensgrundlage erhalten. Hier im Detail: 


Einzigartige und artenreiche Natur

Der tropische Regenwald der Madre de Dios-Region ist ein einzigartiges Ökosystem, seine Urwälder beherbergen die größte Artenvielfalt der Welt. Geheimnisvolle Jaguare und verspielte Affen sind hier genauso zu Hause wie tapsige Tapire und lianenbehangene Baumriesen. Hier gibt es zehnmal mehr Reptilien und Amphibien als in Deutschland, ca. 10% aller Vogelarten der Welt lassen sich hier beobachten und auf einem Hektar Wald kann man mehr Baumarten finden als in ganz Europa, um nur einige Beispiele zu nennen. Außerdem finden sich dort endemische Tier- und Pflanzenarten, die sich so stark an das dortige Ökosystem angepasst haben, dass sie nur dort überleben können. Bisher wurden im Secret Forest in Peru 477 Vogel-, 162 Amphibien- und Reptilien- und 92 Säugetierarten (davon 48 große Säugetierarten und 44 Fledermausarten) erfasst. Zum Vergleich: In Deutschland leben nur 21 Amphibien-, 15 Reptilien- und 25 Fledermausarten.

Der temperierte Regenwald in Kanada ist nicht weniger spektakulär. Auch diese Urwälder beherbergen eine einzigartige Artenvielfalt, Jahrtausende alte Baumriesen und wunderschöne Hochmoore, in deren unterirdischer Biomasse bis zu dreimal so viel Kohlenstoff gespeichert ist wie in den Wäldern British Columbias.. Seltene Geisterblumen sind hier zu Hause, außerdem Bären, Wölfe und Adler. Je älter Wälder werden, umso größer wird ihre genetische Vielfalt und umso besser die Fortpflanzungsfähigkeit ihrer Bewohner. So garantieren Urwälder das Überleben unzähliger Arten und sind essentiell für die Erhaltung der Artenvielfalt (Gibson et al., 2011). Nur wenn bestehende, intakte Ökosysteme erhalten werden, können sich seltene oder bedrohte Arten von dort aus wieder ausbreiten. 

Das ist eine essentielle Voraussetzung für die Wiederherstellung und Sanierung von geschädigten Wäldern, Flächen und Böden - vor allem jene, die von Wüstenbildung, Dürre und Überschwemmungen betroffen sind. Einige funktionale Gruppen wie Pilze, Flechten und Käfer brauchen nach der Abholzung ihres Lebensraumes bis zu 180 Jahre, um sich zu erholen, doch sie erreichen nie wieder das Niveau vor der Zerstörung. Diese langsamen Erholungsraten einiger funktionaler Gruppen, die für das Funktionieren des Ökosystems essentiell sind, machen Primärwälder zu einer unersetzlichen Ressource der Biodiversität (Spake et al., 2015). Auch in Deutschland gab es einst flächendeckend Urwälder mit alten Bäumen. Daran, dass heute nichts mehr davon übrig ist, zeigt sich, dass Wildnis keine Selbstverständlichkeit ist. Es ist unsere Verantwortung, die verbleibenden Wildnisgebiete zu schützen, egal wo sie sich befinden.


Klimaerhalt

Für den Treibhauseffekt, die Aufheizung der Atmosphäre, spielt der Regenwald in mehrfacher Hinsicht eine große Rolle. Einmal werden in der Biomasse des Regenwaldes große Mengen an CO2 gebunden - dabei sind die temperierten Regenwälder Westkanadas weltweite Spitzenreiter. Nirgendwo sonst binden die Bäume und Waldmoore so viel CO₂ – über 60 kg sind es pro Quadratmeter im Misty Forest! Zudem haben Bäume mit einem großen Durchmesser extrem große Mengen Kohlenstoff gespeichert (Mildrexler et al., 2020). Wird der Wald abgeholzt oder durch Brände gerodet, werden riesige Mengen CO2 freigesetzt. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 10 bis 15 % der jährlichen CO2-Emissionen auf Brandrodungen zurückzuführen sind (Wille, 2018). Indem wir diese Wälder schützen, stellen wir sicher, dass der Kohlenstoff gebunden bleibt und nicht als CO₂ zurück in die Atmosphäre gelangt, wo er die Erderwärmung beschleunigen würde. Treibhausgase verteilen sich gleichmäßig in der Atmosphäre - es ist daher unerheblich, an welchem Ort Emissionen verursacht oder eingespart werden. Entscheidend ist vielmehr, dass global die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre gesenkt wird. 

Regenwälder sind außerdem von herausragender Bedeutung für das Klima, weil sie Temperaturunterschiede ausgleichen und die globale Regenverteilung regulieren. Ohne die Kühlungs- und Wasserspeicherfunktion der Regenwälder würden wichtige Niederschläge ausbleiben, sodass es zunehmend heißer und trockener werden würde. Außerdem produzieren die Wälder lebenswichtigen Sauerstoff und filtern die Luft. 

Der Schutz peruanischer und kanadischer Regenwälder trägt somit handfest zur Stabilisierung des Klimas bei. Mehr dazu erfährst du hier.


Akute Bedrohung

Die wissenschaftliche Gemeinschaft beschreibt die Auswirkungen der Regenwaldvernichtung als die größte Naturkatastrophe seit der letzten Eiszeit. 2024 war ein trauriges Rekordjahr für den Waldverlust. In einem Jahr gingen tropische Wälder in einer Rekordgröße von 6,7 Millionen Hektar verloren, was der Fläche von ganz Panama entspricht (WRI, 2025). Der Großteil dieser Zerstörung kam durch von Menschen verursachte Brände zustande, die häufig zur Rodung von Land für Viehweiden oder Landwirtschaft dienen. Der voranschreitende Waldverlust hat katastrophale Auswirkungen auf die Biodiversität. Mit dem Aussterben einer einzigen Pflanzenart ist oftmals das Aussterben von weiteren 10 bis 30 Tier- und Pflanzenarten verbunden, da die meisten Organismen im Regenwald voneinander abhängig sind (Siebert, 2011). Millionen Arten sind so in den letzten Jahrzehnten gemeinsam mit dem Wald verschwunden.

Doch während fast jede:r um die Bedrohung und den Wert der Amazonasregenwälder weiß, spricht kaum jemand vom vergessenen Ökosystem Kanadas: In British Columbia (BC) befindet sich die letzte große zusammenhängende Fläche temperierten Regenwaldes der Welt (DellaSala, 2010). Noch gibt es dort Urwald. Und doch ist leider die Holzwirtschaft in Kanada einer der wichtigsten Wirtschaftszweige und ausgerechnet BC einer der letzten Rechtsräume der Erde, der weiterhin die großflächige Abholzung von 600-1800 Jahre alten Urwaldriesen erlaubt (Wu, 2019). Zwischen 2003 und 2010 war allein die Abholzung in BC verantwortlich für einen jährlichen CO₂-Ausstoß von 49,5 Megatonnen (Wieting, 2015), mehr als ganz Finnland. Von der ursprünglichen Fläche des temperierten Regenwaldes sind in Kanada nur noch etwa 25% übrig. Diese letzten Gebiete sind neben der Bedrohung durch die Holzindustrie auch durch die Schaffung neuer Agrarflächen, die Zersiedlung und den Bau neuer Infrastruktur, sowie Kanadas Austritt aus dem Kyoto-Protokoll bedroht.


Danke an die Natur sagen

Das natürliche Gleichgewicht bleibt nur erhalten, wenn wir nicht mehr nur Nehmen, sondern auch Geben. Daher ist es Zeit, endlich auch wieder an die Natur zurückzugeben. Sagen wir Danke für alles, womit sie uns versorgt – beschützen wir sie.

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